nimm's leicht

Wir müssen reden…

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Was meinen Sie: Wie häufig stellt ein Paar für sich fest „Wir müssen reden“?Wieviele Minuten am Tag kommunizieren Paare miteinander? Ich meine nicht über alltägliche Dinge wie Terminabsprachen oder ähnliches. Sondern über sich. Darüber, wie sie sich fühlen. Was sie bewegt.
Das Bundesministerium für Gesundheit hat recherchiert, dass das in Deutschland gerade einmal zwei Minuten pro Tag sein sollen!
Doch woran liegt das?

Von „Wir müssen reden“ zur Sprachlosigkeit in der Beziehung

Zu Beginn einer Beziehung sind Menschen neugierig aufeinander. Sie wollen alles voneinander wissen. Stellen Fragen. Hören aufmerksam zu. Sprechen stundenlang miteinander. Nach und nach tendieren sie dazu, sich ein fertiges Bild vom Anderen zu machen. Anstatt ihr Gegenüber zu fragen, haben sie schon fertige Antworten im Kopf. Sie behaupten Dinge voneinander, verallgemeinern und sind überhaupt der Meinung zu wissen, was der Andere braucht. Denn schließlich kennen sie ihr Gegenüber ja jetzt…

Mit dem Alltag, der in jeder Beziehung irgendwann Einzug hält, ändert sich die Kommunikation. Ein „Wir müssen reden“ beschränkt sich verstärkt auf alltägliche Dinge, Tagesplanungen, Job, Freunde. Sie sprechen miteinander – und sind doch so oft sprachlos in dem, was sie wirklich berührt.
Und genau diese Sprachlosigkeit führt zu Entfremdung, zu ungeklärten Wünschen und Erwartungen. Enttäuschungen und Rückzug sind vorprogrammiert. Das Paar läuft Gefahr, sich im Alltag aus den Augen zu verlieren.

Die kleinen Sünden der Alltags-Kommunikation

In einer Beziehung tendieren viele Menschen dazu, den Anderen für das eigene Glück oder Unglück verantwortlich zu machen. Und genau das äußert sich auch in der Kommunikation. Klassiker des Alltags. Sie zu ihm: „Weil du immer deine Sachen in der Küche herumstehen lässt, bin ich jeden Morgen spät dran.“ Sie macht also ihn verantwortlich für ihren Stress am Morgen. Doch ist das wirklich so? Ist das nicht auch ihr Problem, wenn sie nicht aus dem Haus gehen kann ohne die Küche aufgeräumt zu haben?

Und dann ist das noch die Art, wie das Anliegen kommuniziert wird. Denn es hat bei dem Gegenüber eine komplett andere Wirkung ob ich anklagend sage „DU hast das und das getan.“ oder ob ich es aus meiner Sicht formuliere mit „Ich fühle… / Ich brauche…“

Ja, wir müssen reden! Doch die Frage ist, wie. DU klagt das Gegenüber an. Und das zieht Verteidigung und häufig Zurückweisung nach sich. Das führt zu einem sogenannten „Zwietracht-Gespräch“. Und diese Form der Gespräche bringen keine Lösung! Sinnvoller ist es da, sich mit dem eigenen Bedürfnis zu äußern: „Ich brauche Unterstützung von dir beim Abräumen des Frühstückstisches, damit ich zeitig loskomme.“ Diese Aussage bedeutet für das Gegenüber keinen Affront und kann so wesentlich besser angenommen werden.

„Wir müssen reden“. Mit dem Zwiegespräch nach Lukas Moeller

Das Zwiegespräch wurde von dem Arzt und Psychoanalytiker Michael Lukas Moeller entwickelt. Er hat es in seinem Buch „Die Wahrheit beginnt zu zweit“ ausführlich beschrieben. Sein Ansatz begründet darauf, dass es in einer (Paar)Beziehung nicht die eine, richtige Wahrheit gibt sondern dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit hat. Und dass keine von beiden besser ist als die andere. Auch wenn Einige das gerne von sich behaupten und sich daran die Köpfe heiß diskutieren können.

Das Zwiegespräch ist ein langfristig angelegtes Paar-Projekt, in dem anders kommuniziert wird als wir das in unserem Alltag gewohnt sind. Und es folgt klaren Regeln.

1. Fester Termin

Lukas Moeller schlägt zwei Zwiegespräche pro Woche vor, doch wenn das zeitlich nicht möglich ist, dann genügt auch ein Zwiegespräch pro Woche. Wichtig ist die Verbindlichkeit des Termins einmal pro Woche. Sollte ein Termin entfallen, muss ein neuer Termin festgesetzt werden.

2. Fester Ablauf

Die Dauer ist auf 60, idealerweise 90 Minuten, festgelegt. Jeder der Partner hat im Wechsel drei Redeblöcke à 10, bzw 15 Minuten.
Ist einer mit seiner Redezeit fertig, beginnt der andere.
Um den Blick auf die Uhr zu vermeiden sollte ein Timer gestellt werden.

3. Feste Regeln

Das Paar stellt sicher, dass es ungestört ist.
Die beiden sitzen einander gegenüber, so dass sie sich in die Augen schauen können.
Das Handy ist auf Flugzeugmodus, da die Ungestörtheit ein weiterer wesentlicher Faktor des Settings ist.

Einer redet 10 oder eben 15 Minuten, der andere hört zu. Unterbrechungen, Fragen und Anmerkungen sind NICHT erlaubt – auch wenn das Gesagte noch so unfair erscheint. Der Sprechende redet nur über sich selbst. Was ihn gerade bewegt, was ihn umtreibt. Und wie es ihm geht in der Beziehung. Der Redende bleibt nur bei sich und spricht in der Ich-Form.  Aus „Du hast nie Zeit für mich“ wird im Zwiegespräch „Ich fühle mich ziemlich allein. Mir fehlt die Verbindung.“ Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Es geht darum, dass jeder der Partner ein „Selbstportrait“ von sich selbst zeichnet.
Stille und Schweigen sind erlaubt und dürfen ebenfalls nicht unterbrochen werden.  Der nächste Sprechende darf, muss aber nicht, Bezug nehmen auf das vorher Gesagte. Das Zwiegespräch bleibt nach Ablauf der Zeit so stehen und wird nicht nach-analysiert. Im Zwiegespräch haben beide die Möglichkeit, sich und ihr tiefstes Inneres preiszugeben.

„Schatz, wir müssen reden!“ Kommunikation als Beziehungsretter

Regeln und ein fester Termin für ein Gespräch – ist das nicht gezwungen?  Probieren Sie es aus! Nach zwei bis drei Gesprächen haben Sie den Dreh raus. Und das Tolle ist: es wirkt sofort! Sie werden (wieder) die emotionale Nähe zu Ihrem Partner spüren. Und Sie erfahren, was ihn wirklich gerade bewegt.
Das Zwiegespräch ist ein Jour fixe für das Leben zu zweit. Eine Beziehung ist immer in Bewegung. Und auch die Individuen innerhalb der Beziehung entwickeln sich weiter und verändern sich. Zwiegesprächler bekommen ein regelmäßiges Update über die Bedürfnisse, Wünsche und Ängste des anderen. Und sie erfahren auch viel über sich selbst.

Diese Form der intensiven Kommunikation hilft zu erkennen: „Du bist nicht ich. Und ich kann nicht wissen, was in deinem Kopf vorgeht und was du fühlst“ und „Ich bin für meine Gefühle selbst verantwortlich.“ Partner lernen (wieder) zuzuhören ohne dazwischen zu reden, geduldiger zu werden, eine Aussage erst einmal nur stehen zu lassen, ohne gleich loszupoltern. Sie lernen (wieder), zu kommunizieren und dabei etwas über sich selbst zu sagen. Das Zwiegespräch ist geeignet für Paare in Konfliktsituationen. Und für Paare, die ihre Beziehung lebendig halten und vertiefen wollen.

Probieren Sie es aus. Es lohnt sich!

Coaching direkt in München. Ich freue mich auf Sie!


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